Fruchtfliegen loswerden

Silberkraft Fliegen & Fruchtfliegen
Fruchtfliegen loswerden

“Des einen Freud, des anderen Leid”, so könnte man kurz das Verhältnis von verschiedenen Zeitgenossen zur Fruchtfliege bezeichnen. In der eigenen Küche kann das kleine Insekt, dank seiner hohen Reproduktionsfähigkeit, zur echten Plage werden. Die Wissenschaft allerdings zeigt sich ganz begeistert von den Eigenarten der Fliege. Hat doch die Schwarzbäuchige Taufliege (Drosophila melanogaster) wie sie auch genannt wird, eine hohe genetische Ähnlichkeit mit Säugern. Im Ratgeber wird untersucht welchen Nutzen Fruchtfliegen haben, welchen Schaden sie anrichten und wie man sie aus der Küche vertreiben kann.

Eigenschaften und Reproduktion der Fruchtfliege

Die Fruchtfliege auch als Obstfliege, Essigfliege oder Gärfliege bekannt, ist Teil der Ordnung der Zweiflügler. Es gibt rund um den Globus ca 3000 Arten, die in unterschiedlichen Regionen beheimatet sind. Allein in Deutschland tummeln sich ca. 50 Arten. Einige davon leben wie seit Urzeiten frei und wild. Andere haben sich den menschlichen Gewohnheiten angepasst und gelten wie die Taube, der Turmfalke, die Küchenschabe oder die Silberfischchen als Kulturfolger. Für unseren Ratgeber interessant ist aber nur die Art „Drosophila melanogaster“.

Größe und Vermehrung

Die kleine Fliege wird im ausgewachsenen Stadium nicht mehr als 2 bis 4 mm groß. Diese Größe macht sie fast unsichtbar als Einzellebewesen. Ihre gelbbraune Färbung trägt ebenfalls nicht gerade dazu bei sie leicht in der Umgebung zu erkennen. Erst wenn die Insekten in Scharen auftauchen, werden sie sichtbar. Fast unglaublich erscheint die Tatsache, dass Obstfliegen, ähnlich wie Vögel, eine Art Balztanz aufführen, um den Geschlechtspartner für sich zu vereinnahmen. Nach einer gefühlsmäßigen Annäherung durch Abtasten, erfolgen optische Näherungsversuche. Danach kommt es zu ein Balzspiel mit den Flügeln. Ein beiderseitiges Vibrieren der Partner mit den Flügeln führt zum Paarungsprozess. Doch nicht immer hat das Männchen Erfolg. Oft suchen die Weibchen noch kurz vor dem Akt ihr Heil in der Flucht. War der Geschlechtsakt erfolgreich, legt das Fliegenweibchen bis zu 400 Eier ab. Bevorzugt werden die Fliegeneier in gärendes Obst abgelegt. Dieses taugt den gefräßigen Larven als Nahrungsquelle. Während der Larvenzeit durchlaufen die Insekten drei verschiedene Stadien. Danach gehen sie in das Puppenstadium über, bevor sie letztendlich zur fertigen Fliege werden.

Interessant ist, dass die Larven sich nicht über das Fruchtfleisch hermachen, sondern die Mikroorganismen, die für den Zersetzungsvorgang von reifem Obst verantwortlich sind, vertilgen. Solche Organismen sind als Saprobionten bekannt. Taufliegen existierten übrigens schon vor 50 Millionen Jahren im Eozän-Zeitalter. In Bernstein eingeschlossene Fliegen zeugen davon.

Der Nutzen der Taufliege für die Wissenschaft

Alles hat zwei Seiten. So auch das Leben der Drosophila-Fliege im Bezug zum Menschen. Bevor man sich an das Ausmerzen der Plager in der Küche macht, sollte sich jeder darüber bewusst sein, wie nützlich das kleine Insekt für die Menschheit ist. Seit über 100 Jahren gilt die Taufliege als „perfekter Modellorganismus“. Der US-amerikanische  Zoologe und Genetiker Thomas Morgan erkannte durch Kreuzungen der Drosophila melanogaster die Basisstruktur der Chromosomen. Er fand heraus, dass alle Gene nacheinander auf den Chromosomen liegen. Daraufhin konnte er die genaue Reihenfolge und Abstände zueinander bestimmen. Auch heute noch wird zum Beispiel an der Ludwig-Maximilians-Universität in München mithilfe der kleinen Fliege an dem Aufbau des Erbmaterials geforscht.

Die Taufliege eignet sich für diese Forschungszwecke laut den Wissenschaftlern hervorragend, da ihre Gene denen des Menschen verblüffend ähnlich sind. So wurde, dank der Taufliege auch die molekularen Funktionsprinzipien der inneren Uhr erforscht. Ein weiterer Vorteil für die Wissenschaft ist die einfache Art der Haltung und der Züchtung. Damit kommen wir auch zum eigentlichen Problem in der Küche, denn die weiblichen Fruchtfliegen können mehrere hundert befruchtete Eier auf einmal ablegen. Laut den Angaben aus der Max-Planck-Gesellschaft, entwickeln sich aus den Fruchtfliegeneiern je nach Temperatur in ein bis zwei Wochen ausgewachsene Fliegen. Beobachtungen zufolge nimmt ein kompletter Entwicklungsprozess bei einer optimalen Umgebungstemperatur von ca. 25 Grad 9 bis 10 Tage in Anspruch. Umgelegt auf ein Jahr ist die Fliegenart fähig 25 zu Generationen zu erzeugen. Richtig langsam dagegen reproduzieren sich mit 4 bis 6 Generationen jährlich Labormäuse.

Fruchtfliegen vermeiden – den Feind kennen

„Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten“, besagt einem Auszug aus einem berühmten Zitat des chinesischen Generals, Militärstrategen und Philosophen in seinem Buch „Die Kunst des Krieges“. Bezogen auf den Kampf gegen die Taufliege gilt es deren Schwächen zu kennen und diese für sich zu nutzen. Leider leidet die Fruchtfliege in der Sommerzeit, dank des vielen Obsts und Gemüses nicht Hunger, denn ansonsten würde sie sich selbst verzehren. Die Fliege kann in Notzeiten auf eigene Reserven zurückgreifen. Dieses Phänomen nennt sich Autophagozytose oder Autophagie. Das Insekt ist in der Lage körpereigenes Gewebe zu verzehren, um sich durch dürre Zeiten zu retten. Entdeckt wurde die Fähigkeit von Forschern Oslo auf die Spur gekommen. Demnach können die Fruchtfliegen je nach Umstand diesen Mechanismus aktivieren oder einstellen. Liegt also genügend Nahrung bereit, greift sie die eigenen Zellen nicht an.

Wo finden Taufliegen Nahrung?

Damit sich die Fliege nicht vermehrt, gilt es Vorbeugemaßnahmen zu treffen. Leider kann das Auftreten der Insekten nicht ganz vermieden werden, denn sie kommen in der Regel nicht von selbst, sondern werden in den Haushalt eingeschleppt. Die kleinen Insekten gelangen zum Beispiel über gekauftes Obst oder Gemüse in die Küche. In den Nahrungsmitteln haben die sowieso schon kleinen Plagegeister noch kleinere Eier abgelegt. Um dem Getümmel in der Küche Einhalt zu gebieten, sollte jede Frucht und jedes Gemüse gründlich gewaschen werden. Die Fliegeneier lassen sich dadurch relativ leicht entfernen. Doch auch bei gründlichstem Waschen werden einige Eier überleben. Das Schlüpfen, die Verpuppung und schließlich die Wandlung zum fertigen Insekt sind dann unvermeidlich. Um ein weiteres Ausbreiten der Fliegen zu verhindern, sollten Früchte und Gemüse im Kühlschrank oder unter speziellen Schutznetzen gelagert werden. Papiertüten wie beim Bäcker helfen ebenfalls. Selbst die kleinsten Essensreste sind für die Fliegen ein Festmahl. Man braucht sich nur die Relation eines Honigtropfens im Verhältnis zur Körpergröße der Taufliege vorzustellen, um zu wissen, dass da ein Festmahl auf sie wartet. Doch nicht nur auf größere sichtbare Essensreste stürzen sich die Tiere. Auch kleinste Essenspartikel in Holz- und Schneidebrettchen, an Messern oder selbst Flüssigkeitsreste an oder in Flaschen wirken wie ein Magnet auf sie. Auf keinen Fall sollten Essensmüllreste frei herumstehen. Es gilt ferner den Mülleimer in der Küche gut zu verschließen. Da dies aber kaum möglich ist, werden Essensabfälle oder Schalen am besten gleich draußen in die große Mülltonne entsorgt. Auch der Abfluss sollte peinlich sauber gehalten werden. Die sich darin ansammelnden Essensreste beim Spülen locken die Fruchtfliegen an. Befinden sich Obstbäume mit reifen Früchten am Küchenfenster oder in der Nähe von Wohnräumen, helfen wohl nur noch Mückennetze mit kleinen Maschen. Regelmäßiges Lüften der Räume tut ein übriges.
Laut Heidrun Schubert, Expertin für Lebensmittel und Ernährung in der Verbraucherzentrale Bayern, sollte Obst sofort verbraucht werden. Ihren Erfahrungen gemäß, stürzen sich die Tiere auch mit Vorliebe auf Weinflaschen, Saftflaschen und Essigflaschen. Die noch vorhandenen, für den Menschen kaum wahrnehmbaren Gärgerüche von Wein und Essig, locken besonders die männlichen Taufliegen an.

Fruchtfliegenfallen selbst bauen oder kaufen

Taufliegenfallen stehen auf chemischer Basis bereit oder können nachhaltig mit Hausmitteln selbst gebaut werden. Beim Kauf von chemischen Fallen gilt es darauf zu achten, dass die Lockstoffe aus insektizidfreien Zusätzen bestehen. Oft handelt es sich dabei um Leimfallen. Diese Fallen sind je nach Umgebungstemperatur bis zu 8 Wochen wirksam. Wirksame Obstfliegenfallen werden in Drogerien, Baumärkten und im Einzelhandel angeboten. Nicht unbedingt auf die Dauer wirksam, wenn auch ökologisch wertvoll, sind gekaufte Lebendfallen. Denn die gefangenen Tieren müssen ja wieder freigelassen werden. Unter Umständen sind diese dann schnell wieder Gast im Haus. Essigfliegenfallen, die auf der Basis von UV-Licht arbeiten, sind weitere Alternativen.
Wer Geld sparen will, der baut die Fliegenfallen selbst. Dazu stehen unterschiedliche Konzepte zur Auswahl. Zum einen die Lochfalle und zum anderen die Trichterfalle. Zwar ist der Aufbau von beiden unterschiedlich, doch die Lockstoffe sind identisch.


Die Lochfalle


Für diese Falle wird ein Gefäß benötigt, über das eine Klarsichtfolie fest gespannt wird. Zuvor den Lockstoff einfüllen. Das kann eine Kombination aus Fruchtsaft, Essig und Spülmittel sein. Selbst die Zusammensetzung von Zucker und Milch plus Spülmittel wirkt. Oder es werden angefaulte Obststücke in das Gefäß gelegt. Bier und Wein oder auch Hefe, Zucker und Wasser sind beliebte Lockstoffe. In die Folie werden kleine Löcher, zum Beispiel mit einem Zahnstocher gestochen, durch die die Obstfliegen eindringen.

Die Trichterfalle

Ähnlich funktionieren Trichterfallen. Auf ein Gefäß wird ein Trichter, entweder ein fertiger Küchentrichter oder ein selbstgebauter Trichter aus Pappe oder Alufolie, mit dem spitzen Ende nach unten gesteckt. Die Fliegen finden zwar über den Trichter hinein aber nicht mehr heraus.
Sollte es mit den Fallen nicht so recht klappen, dann muss die Lockstoffkombination geändert werden. Eine Falle reicht selten aus. Besser gleich mehrere aufstellen und immer darauf achten, dass keine anderen Lockmittel wie Essensreste in der Nähe der Fallen liegen.

 Axel Imhof, Professor für Molekularbiologie am Biomedizinischen Centrum (BMC), der viel mit der  Fruchtfliege Drosophila forscht, meint, dass die Fliegenplage am schnellsten dann gelöst wird, wenn die Tiere verhungern. Dazu muss die Umgebung frei von Nahrung für diese sein.

Es hat sich überdies gezeigt, dass die Essigfliegen einige Gewürze ablehnen. Angeblich mögen die Fliegen Basilikum, Nelkenöl und Sandelholz gar nicht.

Krankheiten übertragen: Sind Fruchtfliegen gefährlich?

Wie die meisten Insekten, so verbreiten auch die Obstfliegen Teile der Nahrungsmittel oder Partikel, mit denen sie in Berührung gekommen sind, weiter. Die von ihnen geliebten Fäulnisbakterien aber auch den eigenen Kot übertragen sie auf anderes Obst und Gemüse. Doch zu Übertragung von Krankheiten, wie dies bei Hausfliegen vorkommen kann, kommt es so gut wie nie. Nahrungsmittel, die befallen sind, aber nicht gereinigt werden können, sollten entsorgt werden. Darunter fallen Kuchen, Milchspeisen etc.

Häufige Fragen zu Fruchtfliegen

  • Was tun gegen Fruchtfliegenplage?
    Das oberste Gebot ist Reinlichkeit. Vermeiden Sie Essensreste auf dem Tisch, im Mülleimer oder auf dem Küchenbrett. Lüften Sie regelmäßig die Zimmer. Waschen Sie Obst und Gemüse sofort nach dem Kauf zu Hause. Legen Sie Obst und Gemüse in den Kühlschrank. Fruchtfliegen mögen keine Kälte.
  • Übertragen Fruchtfliegen Krankheiten?
    Nein, soweit bekannt übertragen die kleinen Plagegeister keine Krankheiten. Dennoch sollten befallene Nahrungsmittel gesäubert werden, da sich darauf möglicherweise Kotrückstände der Fliege befinden.
  • Wie lange ist die Lebensdauer von Fruchtfliegen?
    Die Lebenserwartung von Fruchtfliegen beträgt je nach Umgebungstemperatur zwischen 2 Wochen und 2 Monaten. Ideale Temperaturen für sie liegen um die 25 Grad.
  • Wie schnell vermehren sich Fruchtfliegen?
    Die Weibchen der Essigfliege können bis zu 400 befruchtete Eier auf einmal legen. Nach den verschiedenen durchlaufenen Entwicklungsstadien und der Verpuppung werden daraus binnen ein bis zwei Wochen neue Fliegen. Schon nach zwei Tagen ist die junge Fruchtfliege bereit selbst Eier zu legen. Bis zu 25 Generationen pro Jahr sind möglich.
  • Welcher Hausmittel helfen gegen Fruchtfliegen?
    Meist müssen Wirkstoffkombinationen angewendet werden, um der Fliege Herr zu werden. Essig, am besten Apfelessig, in Fruchtfliegenfallen ist ein bewährtes Hausmittel. Aber auch Hefe mit Wasser und Zucker, Fruchtsäfte und Alkohol genügen als Lockstoff. Dazu halten Basilikum und Sandelholz die Fliegen fern.
  • Woher kommen Essigfliegen?
    Gewöhnlich finden die Fliegen Eingang in das Haus über den Kauf von Obst und Gemüse. Am besten daher jede Frucht und jedes Gemüse kräftig waschen und somit die Eier entfernen.
  • Hilft Essig gegen Obstfliegen?
    Ja, Essig ist das Allheilmittel gegen die Fruchtfliege. Er dient als Lockstoff. Mischen Sie den Essig mit etwas Spülmittel, damit die Fliege angelockt wird und auf der nicht mehr festen Oberfläche einsinkt und ertrinkt.
  • Wie baue ich eine Fruchtfliegenfalle selbst?
    Es gilt zwischen der Trichterfalle und der Lochfalle zu unterscheiden. Beide werden mit einem Lockstoff gefüllt, der die Fliegen durch einen Eingang anlockt, aus dem sie nicht mehr herausfinden.
  • Helfen chemische Fallen gegen Obstfliegen?
    In Reformhäusern und Supermärkten sind chemische Obstfliegenfallen käuflich zu erwerben. Diese arbeiten auf der Basis Klebstoffen in Kombination mit Lockstoffen. Möglichst sollten pestizidfreie Lockstoffe verwendet werden.
  • Wie gefährlich sind die Fruchtfliegen?
    Im Grunde sind Fruchtfliegen nicht gefährlich. Sie sind eher unappetitlich. Dennoch sollte aus Sicherheitsgründen immer befallene Nahrungsmittel gereinigt, oder wie im Falle von Kuchen, entsorgt werden.
Quellen