Milbenbefall bei Kanarienvögeln erkennen und behandeln

Kleine Spinnentierchen - große Wirkung

Milben zählen zur Klasse der Spinnentiere und leben überall auf der Welt. Man geht von über 50.000 Arten aus, wobei Forscher vermuten, dass viele Milbenarten noch gar nicht entdeckt wurden. Etwa die Hälfte der Milbenarten leben unterirdisch und ernähren sich dort von Pflanzen und anderen organischen Materialien, die andere Hälfte lebt oberirdisch. Viele dieser Milben benötigen einen Wirt zum Leben. 
Einige Milbenarten leben auf Haustieren wie Hund, Katze oder Kaninchen, wiederum andere bevorzugen Vögel und Kleinvögel als Wirt. 

Milbenarten, die Ziervögel befallen

Es gibt einige Milbenarten, die vorrangig Ziervögel wie den Kanarienvogel, den Wellensittich oder den Nymphensittich befallen. Dazu zählen:

  1. Federmilben
  2. Räudemilbe / Grabmilbe
  3. Rote Vogelmilbe
  4. Luftsackmilbe

Vogelmilbe unter dem Mikroskop

Federmilbe

Die Federmilbe lebt, wie der Name vermuten lässt, auf der Federfahne, den Federkielen selbst und auch auf dem Federbalg. Dort legt sie ihre Eier ab, die Nymphen schlüpfen und sind in etwa drei Woche zu adulten Milben herangewachsen. Federmilben halten niedrige Temperaturen sehr gut aus und können mehrere Wochen bei Kälte überleben

Sie leben ihr ganzes Leben auf dem Wirt und ernähren sich von Gewebesubstanzen und Lymphflüssigkeit. Meistens werden die Milben durch einen direkten Körperkontakt vom Elternteil auf das Küken übertragen, weshalb ein hoher Milbenbefall bei Jungvögeln nicht selten vorkommt. 

Räudemilbe

Räudemilben (Knemidocoptes pilae) gehören zur Familie der Grabmilbe und leben bevorzugt im Schnabel des befallenen Vogels. Aber auch auf den Augenlidern und der Wachshaut oberhalb des Schnabels kommen Räudemilben vor. Von Räudemilben befallene Vögel haben einen veränderten Schnabel, der schwammartig aussieht oder deformiert ist. Die Übertragung findet von Schnabel zu Schnabel statt (Eltern infizieren meist ihre Küken). 

Die Räudemilbenart, die häufiger Kanarienvögel infiziert, befällt vorrangig die Beine. Die sogenannte Kalkbeinräude tritt zutage: Kalkweiße, verhornte und schuppige Beine, die schmerzen und jucken. Auf einen Mensch springt die Vogel-Räudemilbe nicht über. 

Bis es zu Symptomen kommt, kann viel Zeit vergehen. Erst durch Stress, Krankheit oder Fehlernährung kommt es zu für den Vogel unangenehmen Symptomen.

Rote Vogelmilbe

Im Gegensatz zu anderen Milbenarten lebt die Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae) vom Blut ihres Wirts, den sie immer wieder beißt. Sie lebt nicht permanent auf ihrem Wirt, sondern befällt diesen nur nachts. Tagsüber zieht sie sich in dunkle Ecken und Winkel des Käfigs zurück. Ist ein Vogel von der Roten Vogelmilbe befallen, verhält er sich sehr unruhig, findet keinen Schlaf und ist tagsüber träge. 

In der Natur findet man diese Milbenart oft in verlassenen Vogelnestern und Baumrinden. Sie ist nicht auf Vögel beschränkt, sondern kann auch andere Tiere oder sogar Menschen befallen

Luftsackmilbe

Die Luftsackmilbe (Sternostoma tracheacolum) ist maximal 0,7 Millimeter groß und lebt im Vogel selbst. Vorrangig lebt diese Milbenart in Finken, in selteneren Fällen kann man sie allerdings auch in Kanarienvögeln finden. Die Luftsackmilbe lebt im Luftsack und in der Lunge der Vögel. Sie ernährt sich dort von den Schleimhäuten ihres Wirts. Die Luftsäcke dienen gesunden Kanarienvögeln als Luftspeicher beim Fliegen. Sind diese befallen, wird dem Vogel das Atmen erschwert. Bei einem starken Befall findet man Milben in der Luftröhre und sogar in der Nase. 

Luftsackmilben werden meistens indirekt über die Atemluft oder einen Futter- oder Wassertrog von einem Tier auf das andere übertragen. 

Unterschiedliche Symptome

Viele Milbenarten rufen einen starken Juckreiz hervor. Der Vogel ist plötzlich unruhig, putzt sich vermehrt und verändert sein Verhalten. Federmilben rufen kleine Löcher und Flecken auf dem Federkleid hervor und irritieren die Haut, die eine Entzündungsreaktion hervorruft.

Luftsackmilben hingegen verursachen einen pfeifenden Atem, die Vögel hören auf zu singen und klingen im weiteren Verlauf heiser. Durch Atemprobleme wippen befallene Vögel mit ihrem Schwanz, um so das Atmen leichter zu machen. Nachts hört man ächzende Atemgeräusche, die in Pfeifen übergehen können. Unbehandelt führen Luftsackmilben zum Tod des Vogels. 

Ist der Vogel von der Roten Vogelmilbe befallen, weigert er sich, abends seinen Schlafplatz aufzusuchen und trippelt auf seiner Stange hin und her. 

Milbenspray Vögel

Diagnose

Besteht der Verdacht auf einen Milbenbefall, sollte man sich daheim vorab Notizen machen, um die Anamnese beim Tierarzt zu verkürzen. Ein vogelkundiger Tierarzt kann anhand der Symptome einen Milbenbefall feststellen.

Bei einem Federmilbenbefall kann der Tierarzt die Flecken, die die Milben auf dem Federkleid hinterlassen, mit der Lupe oder einem Mikroskop erkennen.  

Ist der Vogel mit der Räudemilbe befallen, wird der Tierarzt ein Hautgeschabsel nehmen, durch das der Milbenbefall bestätigt werden kann. Aber auch typische Anzeichen wie feine Linien auf dem Schnabel weisen auf einen Räudemilbenbefall hin. 

Mithilfe eines Klebebands kann der Tierarzt die Rote Vogelmilbe an der Sitzstange feststellen. Da der Körper der Milbe rot ist, zeichnen sich die kleinen roten Körper gut auf dem Klebeband unter dem Mikroskop ab. 

Klingt der Vogel heiser, singt nicht und hat laute Atemgeräusche, besteht ein Verdacht auf einen Luftsackmilbenbefall. Eine Diagnose ist schwierig, da sich die Milben im Körper des Vogels aufhalten, weshalb hier oft nur eine Verdachtsdiagnose gegeben wird.

Behandlungsmöglichkeiten

Alle Milbenarten sollten so schnell wie möglich behandelt werden. Es gibt verschiedene Methoden, die für die unterschiedlichen Milbenarten angewendet werden.

Federmilbe

Die Federmilbe wird meistens mit einem Spot-On-Präparat behandelt, das auf den Nacken des Vogels aufgetragen wird. Der Wirkstoff ist hierbei Ivermectin. Wird der betroffene Vogel mit anderen Vögeln gehalten, sollten diese auch vorsorglich behandelt werden, um eine Folgeinfektion zu vermeiden. Die Behandlung sollte nach 10 bis 14 Tagen wiederholt werden. Der Käfig und sein Zubehör sollte bei einem Federmilbenbefall gut gereinigt und desinfiziert werden. 

Räudemilbe

Die Vögel, die von der Räudemilbe befallen sind, können durch eine tägliche Behandlung mit Paraffinöl, welches auf die betroffenen Stellen getupft wird, behandelt werden. Paraffinöl verstopft die Atemwege der Milbe und lässt sie absterben. Da dieses Verfahren jedoch langwierig ist und der Vogel nicht unnötig lange leiden sollte, kommen häufig Präparate mit Fipronil. Der Wirkstoff wirkt als Kontaktgift. Das Spot-On-Präparat mit Ivermectin wird jedoch ebenso verwendet, um die Räudemilbe zu entfernen.  

Rote Vogelmilbe

Die Rote Vogelmilbe ist schwieriger zu behandeln. Die Milbe lebt nicht auf dem Wirt, sondern kommt nur nachts zum Fressen hervor. Ohne Wirt kann die Rote Vogelmilbe über ein halbes Jahr überleben. Daher ist es sinnvoll und notwendig, die Umgebung und alle Ritzen, in denen sich die Rote Vogelmilbe aufhalten könnte, mit einem Präparat mit Ivermectin zu behandeln. Ebenso werden die befallenen Vögel mit dem Präparat behandelt. Nur durch eine sehr gute Hygiene kann die Rote Vogelmilbe vollständig entfernt werden. 

Luftsackmilbe

Mit der Luftsackmilbe befallene Vögel können gut mit einem Spot-On-Präparat mit dem Wirkstoff Ivermectin behandelt werden, welches auf den Nacken oder zwischen die Schulterblätter aufgetragen wird. Die Symptome sollten nach einigen Tagen abklingen. Für eine vollständige Entfernung der Milben ist die Behandlung mehrmals durchzuführen. Da die Vögel aufgrund der Atembeschwerden geschwächt sind, sollten sie geschont werden. Vitaminpräparate und Wärmetherapie sind gute zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten bei einem Befall mit Luftsackmilben. 

Prävention

Man kann präventiv Anti-Milben-Sprays regelmäßig verwenden, mit denen Milben vertrieben werden. Sprays mit dem Geruch von Zitroneneukalyptus wirken als Repellent. Das bedeutet, dass Milben nicht getötet werden, jedoch mögen sie den Geruch nicht und halten sich von der eingesprühten Fläche fern. Das Milbenspray kann auch unterstützend bei einer Milbenbehandlung eingesetzt werden.

 

Häufige Fragen

Wie erkennt man einen Milbenbefall bei Kanarienvögeln?

Milben können bei Kanarienvögeln Verhaltensänderungen hervorrufen. Das Federkleid kann struppiger wirken, die Vögel putzen sich häufiger und sind unruhiger als gewöhnlich.

Was kann man gegen Milben tun?

Die befallenen Vögel sollten so schnell wie möglich zu einem vogelkundigen Tierarzt gebracht werden, der die Milbenart bestimmen kann und das richtige Präparat verschreiben kann. Darüber hinaus sollte man den Käfig gut reinigen und desinfizieren. Leben mehrere Vögel zusammen, sollten diese auch prophylaktisch mit dem Anti-Milbenmittel behandelt werden. 

Können Vogelmilben auf den Menschen übertragen werden?

Die Rote Vogelmilbe kann auf den Menschen überspringen. Daher ist eine gute, hygienische und sorgfältige Behandlung dieser Milbenart notwendig.

 

Quellen:

 

 

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