Milben beim Hund - erkennen und richtig behandeln

Milbenbefall erkennen

Mikroskopisch klein und für das menschliche Auge unsichtbar zählen Milben zu der artenreichsten Gruppe der Spinnentiere. Viele der spinnenartigen Lebewesen ernähren sich nur von Pflanzen oder Pilzen und gelten nicht als Parasiten.
Parasiten missbrauchen andere Lebewesen und deren erheblich größeren Organismus als Wirt für die Nahrungsversorgung und langfristig auch als Lebensraum. Die Folgen solch eines parasitären Befalls dehnen sich von einfachen Stichverletzungen bis hin zu schweren Infektionskrankheiten aus. Bei Erkrankungen, die durch Milben (Acari) ausgelöst werden, wird von Acariose gesprochen.
Die Symptome und Behandlungen für einen Milbenbefall sind schwer zu verallgemeinern und hängen von der Art der verantwortlichen Parasiten ab.

Die beim Hund am häufigsten vorkommenden Milbenarten sind:

  • Grasmilben (Neotrombicula autumnalis)

  • Ohrmilben (Psoroptes, Otodectes und Chorioptes)

  • Haarbalgmilben (Demodex)

  • Raubmilben (Sarkoptes)

Hundehaut mit Milbenbefall erkennen und behandeln

 

Grasmilbenbefall beim Hund

Grasmilben bringt etwa jeder dritte Hund mindestens einmal von seinen Streifzügen durchs hohe Gras mit. Sie werden auch als Herbstmilben bezeichnet, weil ein Befall mit diesen Spinnentieren meistens in der Zeit zwischen Juli und Oktober vorkommt.
Grasmilben legen ihre Eier in der Nähe von Pflanzen ab. Nach wenigen Wochen schlüpfen Larven und lassen sich in Gräsern oder Moosen nieder. Meist befinden sie sich etwa 20 bis 50 cm über dem Boden. Läuft ein Hund durch das von Milben besiedelte Areal lassen sich die Milben, ähnlich wie Zecken, auf den Hund fallen. Auf dem Säugetier angekommen bohren sie sich in die dünnen Hautschichten des Säugetiers und verteilen dort ein Gemisch aus Speichel und Zellsaft. Davon zehren die Larven, bis sie innerhalb weniger Stunden ausgewachsen sind. Die nun ausgewachsenen Larven reproduzieren sich innerhalb ihres Kreislaufes weiter.
Für Grasmilben sind Mensch und Tier als Wirt gleichermaßen geeignet. Hunde haben die Angewohnheit, sich in den Regionen aufzuhalten, in denen die Grasmilbe besonders gern verweilt. Daher wird das beliebte Haustier besonders häufig von den Parasiten befallen.  

Von Grasmilben befallene Körperteile sind meistens:

  • Pfoten, insbesondere zwischen den Zehen
  • Beinen
  • Schenkelinnenseiten
  • Bauch
  • Lefzen
  • Ohren
  • Nasenrücken

Der Verdacht auf einen Befall durch Grasmilben beim Hund äußert durch einen starken Juckreiz. Es sind kleine Einstiche zu sehen, die von einem rötlichen Kreis umgeben sind.
Der Speichel der Grasmilbe besitzt eine allergene Wirkung. Wenn Hunde allergisch auf die Milbenbisse reagieren, können Hautquaddeln, Lefzenödeme und geschwollene Augen auftreten. Bei besonders starkem Milbenbefall entstehen in der Folge Haarausfall und Verhaltensänderungen aufgrund des starken Juckreizes.
Um sicherzugehen, dass es sich um eine Infektion durch Grasmilben handelt, sollte der Hund mit einem speziellen Flohkamm gründlich ausgebürstet werden. Wenn sich in dem Kamm kleine rote Punkte wiederfinden, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um Grasmilben handelt.

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Ohrmilben-ein juckendes Übel

Ein Befall mit Ohrmilben tritt meistens an Orten auf, an denen mehrere Tiere zusammenleben und direkten Kontakt untereinander haben. Ohrmilben sind nicht auf eine bestimmte Tierart als Wirt beschränkt. Leben mehrere Tiere in einem Haushalt können sich die Tiere untereinander mit den Ohrmilben infizieren.
Ohrmilben besiedeln die Gehörgänge eines Tieres und verursachen einen starken Juckreiz, der zu einer Entzündung der Ohren und Gehörgänge führen kann. Weil es juckt, kratzt sich das Tier vermehrt mit den Hinterbeinen und schüttelt häufig seinen Kopf.
In den Ohrmuscheln und in den Gehörgängen sind Ablagerungen zu sehen, die aus Blut und Ausscheidungen der Ohrmilben bestehen. Die Ablagerungen haben ein wenig Ähnlichkeit wie Kaffeesatz.

Was hilft gegen Ohrmilben beim Hund?

Eine Infektion mit Ohrmilben ist zwar lästig, aber gut behandelbar. Die Behandlung sollte unbedingt durch einen Tierarzt erfolgen, der die richtigen Tabletten gegen Milben verschreiben wird. Das Ziel der Behandlung ist, vorhandene Milben zu töten.
Zunächst wird das Ohr gründlich gereinigt und ein Abstrich genommen. Zusätzlich zu einem Milbentherapeutikum werden Juckreiz lindernde Salben verwendet. Bei starkem Befall werden Medikamente gegeben, die Schmerzen beim Hund unterdrücken und die Entzündung bremsen. Sind mehrere Tiere im Haushalt vorhanden, sollten diese ebenfalls mitbehandelt werden.

Haarbalgmilben beim Hund

Haarbalgmilben, auch Demodex Milben genannt, sind in geringer Anzahl immer auf dem Hund vorhanden. Diese Milbenart ist sehr wirtsspezifisch. Demodex folliculorum ist eine Milbenart, die nur beim Menschen vorkommt. Demodex Canis wiederum befällt nur Hunde. Eine Ansteckung von Tier zum Menschen oder andersherum ist extrem selten. Am häufigsten ist eine Übertragung durch die Hündin in den ersten Lebenstagen eines Welpen.
Haarbalgmilben gehören zu den Raubmilben. Sie ernähren sich hauptsächlich von Talg und abgestorbenen Hautzellen ihres Wirtes. Demodex Canis kann der Auslöser einer caninen Demodikose sein, die bei einer übermäßigen Vermehrung der mikroskopisch kleinen Spinnentiere auftritt.
Kommt es beim Hund zu Störungen des Immunsystems, vermehrt sich die Demodex Canis. In der Folge entsteht eine Infektion. Körperliche Symptome beim Hund werden sichtbar. Erste Anzeichen einer caninen Demodikose ist Haarausfall, der an einzelnen Stellen oder am ganzen Körper generalisiert auftreten kann. Ein Juckreiz tritt erst dann auf, wenn es zu einer bakteriellen Infektion der kahlen Stellen kommt.
Um eine Infektion durch Haarbalgmilben beim Hund fest zu stellen, müssen lebende Milben zunächst nachgewiesen werden. Dazu wird dem Hund Haut aus den tief liegenden Hautzellen für eine mikroskopische Untersuchung entnommen.

Was hilft gegen Demodex Milben beim Hund?

Als Milbenmittel für den Hund bei einem infektiösen Befall mit Haarbalgmilben eignen sich Medikamente mit den Wirkstoffen Ivermectin und Moxidectin. Die Medikamente für den Hund werden als Tabletten verabreicht. Bei schweren Verläufen der Infektion wird zusätzlich Antibiotika gegeben.

Räude beim Hund

Wird von Räude oder Krätze beim Hund gesprochen, ist die Rede von einer Hautkrankheit mit entzündeten, nässenden und teilweise verkrusteten Stellen. Diese Milbenerkrankung ist bereits bei über 100 Säugetierarten nachgewiesen worden und betrifft hauptsächlich Wildtiere und Haustiere.
Die Tierseuche ist sehr anstecken und vereinzelt bereits vom Tier auf den Menschen übertragen worden. In Österreich ist das Auftreten bei einigen Nutztierrassen anzeigepflichtig und in der Schweiz ist sie als eine „zu bekämpfende Seuche“ in die Gruppe 3 der Tierseuchen eingestuft.
Räude wird von der Raubmilben wie der Krätzmilbe (lat. Sarkoptes) ausgelöst. Diese Milbenart kennt man auch unter Grabmilbe. Sie heißt so, weil sie Tunnel in die Haut von Tieren gräbt und dort lebt. Eine Ansteckung mit Räude kann über einen direkten Kontakt mit einem anderen Wildtier oder einem anderen Hund passieren. Auch indirekte Kontakte wie zum Beispiel durch Büsche oder Gräser ist möglich, wenn ein infiziertes Wildtier die Erreger dort abgestreift hat. Am Anfang werden Körperteile mit einer dünnen Hautschicht von der Räude befallen.

Befallene Stellen mit dünner Hautschicht:

  • Kopf
  • Ohren
  • Gelenke

Dort einmal angekommen breiten sich die Milben über den kompletten Körper des Hundes aus. Weibliche Milben bohren lange Kanäle in die Haut. Dort legen sie ihre Eier ab und vermehren sich. Die heranwachsenden Milben zehren in den Kanälen von Zell- und Gewebsflüssigkeit.
Haarausfall und Schuppen an den infizierten Stellen und rötliche Flecken auf der Haut sind die ersten Anzeichen für einen Befall mit den Raubmilben. Infizierte Hunde kratzen sich wegen des extrem starken Juckreizes ohne Unterbrechung. In den meisten Fällen reagiert ein Hund zusätzlich allergisch auf die Milben und vor allem dem Milbenkot.
Durch das extreme Kratzen wird die Haut blutig. Entzündliche Verkrustungen (Schorf) und eine Verdickung lassen die Haut dunkel gefärbt erscheinen. Die Schmerzen und der starke Juckreiz können zur Aggressivität und Fressunlust führen.
Räude ist in den seltensten Fällen tödlich für Hunde, stellt aber eine extreme Belastung dar, die teilweise zu einem körperlichen Abbau führen kann.

Was hilft gegen Räude beim Hund

Räude sollte unbedingt durch einen Tierarzt behandelt werden. Durch eine mikroskopische Untersuchung und Bestimmung der parasitären Milbenart wird der Veterinär ein geeignetes Milbenmittel verschreiben. Wie bei der Behandlung von Haarbalgmilben kommen Neurotoxine wie Ivermectin und Moxidectin zum Einsatz. In besonders schweren Fällen wird zusätzlich Kortison gegen den Juckreiz gegeben.
Neben den Milbenmitteln werden noch Waschungen mit speziellen Shampoos durchgeführt. Die Waschungen, die über mehrere Wochen durchgeführt werden müssen, bekämpfen die Larven und Nymphen der Sarkoptes-Milben.

FAQ zu Milben

Woher bekommt der Hund Milben?

Je nach Milbenart infizieren sich Hunde auf unterschiedliche Art und Weise mit den kleinen Parasiten. Grasmilben bringen Hunde in den meisten Fällen von Spaziergängen oder aus dem eigenen Garten mit. Ohrmilben treten immer dort auf, wo Tiere zusammenleben. Zum Beispiel auf Bauernhöfen oder in Zuchtbetrieben. Die meisten Ansteckungen mit Ohrmilben treten dort auf, wo Hunde und Katzen zusammenleben und direkt miteinander in Kontakt kommen. Räudemilben sind hoch ansteckend und werden von Wildtieren und deren Ausscheidungen direkt auf den Hund übertragen. Andere Hunde gelten ebenfalls als Überträger der Milben. Die klassischen Haarbalgmilben werden in den ersten Lebenstagen eines Welpen von der Mutter übertragen.

Was hilft gegen Milben beim Hund?

Von Tierärzten werden Milbenmittel sehr häufig als Bäder, Spray oder Puder angeboten. Milbenpräparate bestehen häufig aus Neurotoxinen. Es gibt einige Hausmittel und natürliche Mittel zur Bekämpfung der Spinnentiere. So sollen sich Teebaumöl, Geraniol und Margosa Extrakt als wirksam erwiesen haben.

Welche Milben sind auf den Menschen übertragbar?

Wenn eine Übertragung von Infektionen von Tieren auf den Menschen möglich ist, wird von Zoonose gesprochen. Nicht alle Milbeninfektionen sind vom Hund auf den Menschen übertragbar. Am häufigsten kommt es zu einer Übertragung mit der Räudemilbe (Krätzmilbe). Bei einem direkten Kontakt können die Parasiten vom Hund auf den Menschen gelangen und dort die sogenannte Krätze auslösen.

Wie kann einem Milbenbefall beim Hund vorgebeugt werden?

Die Decken und Kissen von Hunden sollten regelmäßig in der Kochwäsche gewaschen werden. Nach Spaziergängen ist es ratsam, die Beine und den Bauch des Hundes mit Seifenlauge abzuwaschen. Hundefutter, welches reich an Fettsäuren, Vitaminen, Lecithin und Zink ist, sorgt für eine gesunde Haut und beugt einem Befall durch Milben ebenfalls sehr gut vor. Kontakt mit Wildtieren, deren Ausscheidungen oder den Kadavern von Wildtieren sollte unbedingt vermieden werden.

Wie werden Milben beim Hund erkannt?

Grundsätzlich verursachen alle Milbenarten bei Hunden einen Juckreiz. Je nach Milbenart ist der Juckreiz stärker oder schwächer. Kahle Stellen im Fell oder Verkrustungen auf der Haut sind ebenfalls Anzeichen für einen Befall mit den lästigen Parasiten.

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