Ohrmilben beim Hund erkennen und effektiv behandeln

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Ohrmilben beim Hund erkennen und effektiv behandeln

Was sind Milben?

Milben gehören zur Gattung der Spinnentiere und sind meistens zwischen 0,1 und 0,7 Millimeter groß. Ihr Lebensraum erstreckt sich über die ganze Welt: Etwa die Hälfte der bis jetzt bekannten Milbenarten lebt ständig unter der Erde und ernährt sich dort von Pflanzenfasern, Wurzeln und anderen organischen Materialien. Die anderen Milben leben über der Erde und sind meist parasitär. Das bedeutet, dass sie sich einen Wirt suchen, auf oder in dem sie leben. Die meisten Milben suchen sich Tiere als Wirt aus. Diese finden sie in Wildtieren wie dem Fuchs, aber auch Federvieh oder Haustiere können befallen werden. Einige Milben spürt der Wirt sein Leben lang überhaupt nicht, andere Tierchen jedoch rufen unangenehme Symptome wie starken Juckreiz, Ekzeme, Quaddeln und gerötete Haut hervor.

Haustiere wie Katze, Hund, Kaninchen oder Wellensittich können von verschiedenen Milbenarten befallen werden. Eine, die vor allem Hund, Katze und Kaninchen Probleme bereitet, ist die Ohrmilbe. Diese Milbenart fühlt sich in der Ohrmuschel wohl und kann lange unentdeckt bleiben - bis sie unangenehme Symptome hervorruft.

Was sind Ohrmilben?

Ohrmilben (Otodectes cynotis) sind kleine Parasiten, deren Lebensraum sich auf das Ohr und die Ohrmuschel beschränkt. Treten sie in größerer Zahl auf, verursachen sie beim befallenen Tier starken Juckreiz. Ohrmilben gehören zur Gattung der Räudemilben und führen zu Ohrräude. 

Tierarzt schaut in den Gehörgang eines Hundes

Die Ohrmilbe kommt weltweit vor. Sie bewegt sich krabbelnd vorwärts und ernährt sich von Gewebsflüssigkeit und Lymphe, die sie mithilfe ihrer Kieferklaue aus der Bisswunde im Ohr saugt. Die Tierchen sind sehr klein und mit bloßem Auge kaum erkennbar. Eine durchschnittliche Ohrmilbe lebt etwa drei Wochen. In dieser Zeit können die Milben-Weibchen einige Eipakete in den Ohren ablegen, aus denen die nächste Generation von Ohrmilben schlüpft.

Ein Befall bei Hunden ist relativ selten, da die Ohrmilbe meistens Katzen befällt. Ohrmilben können jedoch immer dann auftreten, wenn ein befallener Hund mit einem gesunden Hund spielt und direkten Körperkontakt hat. 

Ohrmilben treten vor allem bei jungen Hunden und Welpen auf, die die Ohrmilbe von ihrer Mutter übertragen bekommen haben. Aber auch Katzen, die im selben Haushalt leben, können die Ohrmilbe auf den Hund übertragen.

Ohrmilben beim Hund - wo fühlen sie sich wohl?

Ohrmilben lieben - wie auch andere Milbenarten - ein feuchtes und warmes Umfeld, in dem sie sich ohne äußere Störungen einnisten können. Die Ohren, die stark durchblutet sind, bieten einen optimalen Lebensraum für die kleinen Parasiten. Vor allem Hunde mit Schlappohren und langhaarige Hunde werden von Ohrmilben bevorzugt: Die Ohren dieser Hunde sind aufgrund der genetischen Faktoren oft schlechter belüftet als die anderer Rassen und bieten ein besseres Klima zum Leben. 

Sind Ohrmilben gefährlich?

Im Allgemeinen sind Ohrmilben für einen Hund ungefährlich. Problematisch ist allerdings die Ansteckungsgefahr für andere Tiere, die ebenfalls im Haushalt leben. Auch die Symptome, die ein befallener Hund aushalten muss, sind sehr unangenehm, weshalb eine schnelle und effektive Behandlung mit einem geeignete Milbenmittel erforderlich ist. Bleiben die Ohrmilben lange unbehandelt, können sie sich auf den Kopf und den restlichen Körper des Hundes ausbreiten. 

Symptome

Erste Anzeichen eines Milbenbefalls mit Ohrmilben zeigen Hunde durch häufiges Kratzen an den Ohren. Ohrmilben verursachen bei ihrem Wirt einen unangenehmen und relativ starken Juckreiz. Auch häufiges, für den Hundehalter ungewohntes, Kopfschütteln ist die Folge eines Ohrmilben-Befalls. 
Durch häufiges Kratzen können blutige Abschürfungen an den Ohren entstehen sowie kahle Stellen an den Ohren, da sich das Tier in Folge des Befalls das Fell dort weggekratzt hat. 

Weitere Symptome sind:

  • gerötete, gereizte Hautstellen
  • geschwollene Hautbereiche
  • Hautirritationen
  • nässende Ekzeme am und im Ohr
  • Blutohr
  • schwarz-brauner Ohrenschmalz
  • Krusten und bröckelige Ablagerungen im Gehörgang
  • Dermatitis an der Stirn
  • Schiefhalten des Kopfes
  • Auffällige, erhöhte Ohrenschmalzproduktion
  • Auffallende Unruhe
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Kopfreiben am Boden
  • Abgeknickte, hängende Ohren
  • Hund wirkt kränklich und fiept häufig

Mögliche Langzeitfolgen

Ohrmilben können beide Ohren gleichzeitig befallen, oft ist allerdings zunächst nur ein Ohr betroffen. Normalerweise halten sie sich in der Ohrmuschel und im äußeren Gehörgang auf. Werden die Symptome über längere Zeit nicht beachtet, können die Ohrmilben zu weiteren Infektionen führen und sich auf das gesamte Ohr ausbreiten. 

Trommelfellriss und Trommelfelldurchbruch

Im schlimmsten Fall führt ein Ohrmilbenbefall zu einem Trommelfelldurchbruch. Dieser kann nur durch eine Operation behoben werden. Aber auch kleine Risse im Trommelfell können durch die Milbe verursacht werden. Diese führen zu Gleichgewichtsstörungen oder auch Mittelohrentzündungen.

Blutohr

Sogenannte Blutohren können ebenfalls die Folge eines Milbenbefalls sein. Dies ist ein beulenförmiger Bluterguss am Ohr, der unbehandelt zu Verformungen des Ohres und zu einem verengten Gehörgang führt. Ein Blutohr entsteht, wenn sich der Hund häufig kratzt und den Kopf schüttelt. Infolgedesse platzen oder reißen kleine Blutäderchen in der Ohrmuschel. Ein Tierarztbesuch ist unumgänglich. Dieser saugt das Blut mit einer Spritze mehrfach ab. Kehrt ein Blutohr mehrfach wieder, so muss in einer Operation das Blutohr entleert und genäht werden. Daraufhin darf der Hund 14 Tage den Kopf nicht schütteln oder sich kratzen, da sonst die Wunde wieder aufgehen kann.

Diagnose

Zeigt der Hund eines oder mehrere der oben aufgeführten Symptome oder hat sich die Ohrmuschel mit braunen, krümeligen Belägen verfärbt, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden.
Um dem Tierarzt die Diagnose zu vereinfachen, kann man vorab daheim Notizen zum ungewohnten Verhalten des Tieres machen und diese vorzeigen. 

Zunächst untersucht der Tierarzt die Ohrmuscheln und das Außenohr gründlich. Er sieht sich den Ohrenschmalz an, der sich durch den Milbenbefall schwarz-bräunlich verfärbt. Aber auch Krustenbildung im Ohr sind wichtige Indizien für einen Befall mit der Ohrmilbe. Mithilfe eines Otoskops kann der Tierarzt die kleinen Tierchen im Ohr krabbeln sehen.

Normalerweise wird aus dem Ohr ein Abstrich genommen, der mikroskopisch auf Eier und lebende Milben untersucht wird. Hat der Hund beispielsweise eine schlimme Ohrenentzündung, verlassen Milben das Ohr und suchen sich andere Körperstellen - wie Augen oder die Stirn - zum Leben. Ist dies der Fall, zeugen nur die abgelegten Eier der Milben von einen Milbenbefall. 

Allergien und andere Milbenarten können ebenfalls für die Symptome verantwortlich sein, weshalb es ratsam ist, einen Tierarzt aufzusuchen, der das eigene Tier gut kennt und Allergien o.ä. aufgrund der Krankheitsgeschichte ausschließen kann.

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Diagnose Ohrmilben - welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Nach der Diagnose eines Ohrmilbenbefalls reinigt der Tierarzt zuallererst das befallene Ohr. Er entfernt sanft die krustigen Rückstände und den Ohrenschmalz mithilfe eines Wattebauschs aus dem Gehörgang sowie der äußeren Ohrmuschel. Der Wattebausch wird dafür zunächst mit einer Reinigungslösung getränkt oder aber ein Ohrreinigungspräparat wird direkt ins Ohr gegeben. Der Schüttelreflex des Hundes sorgt danach dafür, dass Reste der Reinigungsflüssigkeit entfernt werden und das Ohr wieder trocken wird.

Daraufhin verschreibt der Tierarzt Präparate gegen Juckreiz oder, je nach Grad der Entzündung, entzündungshemmende Tropfen, damit das Ohr vollständig abheilen kann. 
Leben weitere Tiere mit im Haushalt, sollten diese ebenfalls mit einem Anti-Milbenpräparat behandelt werden. Die Infektionskette sollte so schnell wie möglich unterbrochen werden: Milben springen sehr schnell von einem Wirt auf den nächsten und auch befallene aber symptomlose Tiere können die Milben weitergeben. 

Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten

Vom Tierarzt verschriebene Anti-Milbenpräparate haben verschiedene Anwendungs- und Wirkweisen. Die Behandlungsdauer jedes Präparats sollte mit dem Tierarzt abgesprochen werden. Die meisten Mittel werden in der Regel zwischen vier und sechs Wochen angewendet. Die gängigsten Präparate bei einem Ohrmilbenbefall sind:

Salben

Salben werden regelmäßig auf und in das befallene Ohr aufgetragen. Sie wirken juckreizlindernd und töten Milben sowie ihre abgelegten Eier zuverlässig ab.

Ohrentropfen

Ohrentropfen werden immer dann verschrieben, wenn einhergehend mit einem Milbenbefall eine Entzündung des Ohres vorliegt. Ohrentropfen enthalten entzündungshemmende und antibakterielle Wirkstoffe, die das Ohr abheilen lassen.

Spot-On-Präparate

Spot-On-Präparate sind lokale Antiparasitika, die auf den Nacken des Hundes, außerhalb der Reichweite seiner Zunge aufgetragen werden.

Antibiotika

Im Fall einer schlimmen Ohrenentzündung verschreibt der Tierarzt Antibiotika, das die Bakterien großflächig abtötet. Dieses wird entweder in Tablettenform oder als Spritze verabreicht. Da Antibiotika alle Bakterien im Körper abtöten, ist es wichtig, nach der Gabe eine Kur für die Darmflora des Tieres zu machen. Diese baut die notwendigen und guten Bakterien in der Darmschleimhaut wieder auf.

Alternative Behandlungsmethoden

Nicht immer müssen medikamentöse Behandlungsweise genutzt werden. Diese Hausmittel können ebenfalls gegen die Symptome der Ohrmilben helfen:

Kokosöl

Das für asiatische Gerichte gern verwendete Kokosöl hat einen für Ohrmilben unangenehmen Geruch und wirkt antibakteriell. Ist die Entzündung im Ohr aufgrund der Milben nicht zu weit fortgeschritten, so kann man eine Behandlung mit Kokosöl versuchen.

Olivenöl

Der Klassiker der Mittelmeerküche wirkt aufgrund seiner Herstellungsweise desinfizierend und kann bei der Reinigung des Ohres keimabtötend wirken.

Homöopathie

Silicea Globuli im Fressen können ebenfalls unterstützend auf die Therapie von Ohrmilben wirken. Die Globuli werden bei Mittelohrentzündungen gerne eingesetzt und regen die körpereigene Immunabwehr an. Auch für die Nachbehandlung eines Blutohres können Silicea Globuli angewendet werden.

Anti-Milbenspray

Anti-Milbensprays ohne Permethrin können präventiv gegen einen Befall von Ohrmilben wirken oder auch nach einem Befall aufgetragen werden. Dazu das Spray in regelmäßigen Abständen auf das Fell des Tieres sprühen. Sprays beinhalten beispielsweise Inhaltsstoffe wie Geraniol und Margosa, die auch in der Natur vorkommen. Diese sind schonend aber gleichzeitig effektiv bei Milbenbefall. 

Effektiv einem Ohrmilbenbefall vorbeugen

Um einem Ohrmilbenbefall vorzubeugen, der neben Juckreiz, Gleichgewichtsstörungen und Blutohr auch zu schlimmen Ohrenentzündungen führen kann, sollte man präventive Maßnahmen ergreifen, damit das eigene Haustier so gut wie möglich geschützt wird. 

Neben Anti-Milbensprays ohne Permethrin, die man regelmäßig auf das Fell des Tieres aufsprühen kann, sollte man auf eine gute Ohrhygiene achten.

Der Tierarzt kann spezielle flüssige Präparate zur Ohrreinigung verschreiben. Bei der Reinigung sollte man darauf achten, keine Wattestäbchen zu verwenden. Diese schieben Ohrenschmalz oder andere Bakterien nur tiefer in den Gehörgang und können das empfindliche Trommelfell verletzen. Besser sind Wattebäusche oder einfache Tücher für die Ohrreinigung. Die Präparate werden laut Anweisung in das Ohr gegeben und dieses daraufhin für einige Minuten massiert, sodass sich das Präparat gut verteilt und seine volle Wirkung entfalten kann. Nun kann der Schmutz mit dem Wattebausch entfernt werden. Der Hund wird sich daraufhin schütteln, sodass letzte Reste aus dem Ohr entfernt werden.

Körbchen und Decke des Hundes sollten ebenfalls gründlich gereinigt werden. Da sich ein befallener Hund oft kratzt, kann es vorkommen, dass er Milben an die Umgebung abgibt. Diese können zuverlässig mit einem Anti-Milbenspray, das auf die Liegeplätze des Hundes aufgesprüht wird, abgetötet werden. So kann einem wiederholten Befall der Ohrmilbe vorgebeugt werden.

Besitzt man eine Langhaarrasse, sollten die Haare in den Ohren regelmäßig gestutzt werden, um Verschmutzungen und etwaigen Milbenbefall vorzubeugen.

Besteht eine Ansteckungsgefahr für den Mensch?

Entdecken Hundehalter Ohrmilben bei ihrem Tier, kommt zwangsläufig die Frage auf, ob die Milben auch auf den Menschen gehen. Ohrmilben sind, anders als andere Milbenarten, für den Menschen jedoch nicht ansteckend. Die Ohrmilbe kann in sehr seltenen Fällen auf den Menschen gehen, dort stirbt sie jedoch sehr schnell ab. Symptome, die auf einen Ohrmilbenbefall hinweisen sind Verkrustungen auf den Oberarmen und Papeln. Diese heilen allerdings von selbst nach ein paar Tagen ab.

FAQ

Wann treten Ohrmilben auf?

Bei direktem Körperkontakt können Ohrmilben von einem Tier auf das andere überspringen. Auch symptomlose befallene Tiere können Ohrmilben verbreiten. 

Wie äußert sich ein Ohrmilbenbefall?

Kratzt sich ein Hund auffällig oft, legt den Kopf schief oder leidet plötzlich an Gleichgewichtsstörungen, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden. Dieser untersucht das Ohr mit einer Lupe und nimmt zur mikroskopischen Untersuchung einen Abstrich des Ohres. Aber auch schwarz-braunes Ohrenschmalz deuten auf einen Ohrmilbenbefall hin.

Wie lange dauert es, bis die Milben beim Hund weg sind?

Je nach Behandlungsart und Stärke des Befalls kann die Behandlung zwischen vier und sechs Wochen dauern.

Helfen alternative Methoden wie Olivenöl?

Alternative Methoden können den Heilungsprozess gut unterstützen. Gut wirken Anti-Milbensprays, die präventiv und nach einem Befall regelmäßig angewendet werden sollten.

Quellen

 

 

 

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